Masterplan Radverkehr

Das Hauptziel diese Konzeption ist die Erstellung und Optimierung eines kreisweiten Alltagsradnetzes.

Dieses Alltagsradnetz soll die Verbindungen zwischen den Kommunen, aber auch die Anbindung der jeweiligen Kommune an ihre bedeutenden Ortsteile und Unterziele, wie Schule, Arbeit oder Einkauf, für die im Alltag Radfahrenden sicherstellen.

Hinweis: Für weitere Informationen klicken Sie in diesen hier

Durch ein verändertes Umweltbewusstsein in Gesellschaft und Politik sowie durch die verstärkte Zunahme an elektrisch unterstützenden bzw. betriebenen Fahrrädern (Pedelecs und E-Bikes) wird der Radverkehrsanteil, auch in topographisch bewegten Regionen, in naher Zukunft weiter zunehmen.

Im Fokus dieses kreisweiten Radverkehrskonzeptes steht deshalb der Radfahrende im Alltagsverkehr.

Im Gegensatz zum touristischen Radfahrenden möchte der Alltagsradfahrende, also all jene, die auf dem Weg zur Arbeit, Ausbildung, Schule, Bahnhof oder für Erledigungen und Besuche das Fahrrad nutzen wollen, eine möglichst direkte, steigungs- und umwegarme Verbindung zu ihren jeweiligen Zielen nutzen können.

In einem kreisweiten Konzept liegt das Hauptaugenmerk auf den regionalen Verbindungen, also den Verbindungen zwischen den zentralen Orten. Hierbei existiert dann in der Regel nur eine Verbindung zwischen zwei Kommunen. Zwar wird angestrebt die Erreichbarkeit möglichst aller Quellen und Ziele des Radverkehrs zu ermöglichen. Es ist jedoch nicht in jedem Fall möglich jedes Ziel direkt einzubinden. Dies ist Aufgabe kommunaler Konzepte und Radverkehrsnetze.
Bei einem kommunalen Konzept stehen dagegen alle Ziele des Alltagsradverkehrs in den Grenzen der Kommune im Zentrum der Betrachtung, d.h. letztlich ist nahezu jeder Weg und jede Straße Teil eines solchen kommunalen Konzepts.

Im Rahmen dieses Projekts wird ein kreisweites Netz entwickelt, befahren und die Infrastruktur erfasst. Die Mängel der Infrastruktur werden analysiert und hieraus Maßnahmenvorschlägen zur Beseitigung und Optimierung der Radverkehrsverbindungen abgeleitet.

Wenn Sie etwas Zeit mitbringen, dann können Sie sich das folgende Video, in dem Ihnen der Ablauf des Projektes näher gebracht werden soll, gerne ansehen. Sollte Ihnen das Video nicht angezeigt werden, dann können Sie das Video alternativ auf YouTube betrachten.
Wenn Sie die verwendete Präsentation herunterladen wollen, dann klicken Sie auf folgenden Link.

Wenn Sie nur einen schnellen Überblick über das Projekt erhalten wollen, dann scrollen Sie einfach weiter auf dieser Webseite nach unten.
Hier sind alle Arbeitsphasen in vereinfachter Weise textlich aufbereitet.

Das Projekt im Überblick

Phase 1 - Quellen, Ziele und Wunschlinien des Alltagsradverkehrs

Die Quellen und Ziele des Alltagsradverkehrs werden identifiziert und über ein schematisches Netz, das so genannte Wunschroutennetz (Luftlinienverbindungen), miteinander verbunden.

Das Wunschliniennetz wird nach der Bedeutung der Quellen und Ziele, die miteinander verbunden werden sollen, in 3 Hierarchiestufen (so genannte Verbindungen 1., 2. und 3. Ordnung) eingeteilt.

  • Verbindung 1. Ordnung: Verbindungen zwischen Mittel-/Oberzentren

  • Verbindung 2. Ordnung: Verbindungen zwischen Grundzentren oder Mittel- und Grundzentrum

  • Verbindung 3. Ordnung: Verbindungen Ortsteil (mehr als 500 Einwohner) und jeweilige Kommune

  • Verbindungen 4. Ordnung werden nur nachrichtlich erfasst. Es handelt sich dabei um Verbindungen des touristischen Radverkehrs oder Verbindungen, die als Ergänzung im aufzubauenden Radverkehrsnetz dienen sollen, aber eher im Rahmen kommunaler Konzepte zum Tragen kommen.

Phase 2 - Vom Wunschliniennetz zum Netzentwurf

Auf die Ermittlung von Quellen und Zielen folgt die Erstellung eines ersten Netzentwurfs

Das hierarchisierte Wunschliniennetz wird unter Berücksichtigung bestehender Konzeptionen und Informationen zum Radnetz auf das reale Straßen- und Wegenetz umgelegt.

Hierbei werden die topographischen Gegebenheiten sowie bedeutende Unterziele (Schulen, Arbeitgeber / Gewerbegebiete und Bahnhöfe) berücksichtigt. Bei den Unterzielen gilt es jedoch zu beachten, dass nicht alle Unterziele direkt über das kreisweite Radverkehrsnetz erreichbar sein werden. Diese "Letzte Meile" wird mancherorts Aufgabe einer kommunalen Konzeption sein.

Gemäß dem Wunschliniennetz erfolgt eine Hierarchisierung der einzelnen Netzabschnitte. Dabei stellen die Verbindungen 1. bis 3. Ordnung das eigentliche kreisweite Radverkehrsnetz, das sogenannte Hauptnetz, dar.
Die Verbindungen 4. Ordnung gelten als Ergänzungsnetz.

Zusätzlich hierzu wurden Prüf- und Zielnetzabschnitte definiert. Hierbei handelt es sich entweder um Verbindungswünsche, die aus der Beteiligung der kommunalen Verwaltungen heraus (Prüfnetz) oder aufgrund bestehender Planungen (Zielnetz) in die Erstellung des Netzentwurfes übernommen wurden.

Alle Verbindungen zusammen ergeben den 1. Netzentwurf, der mit den beteiligten Verwaltungen der Kommunen, des Kreises sowie mit StraßenNRW abgestimmt wurde und nun die Grundlage für die Bürgerbeteiligung bildet.

Auf die Entwicklung des 1. Netzentwurfs folgt die Bürgerbeteiligung

Auf der Basis des mit den beteiligten Fachakteuren vorabgestimmten 1. Netzentwurfs wird eine Bürgerbeteiligung durchgeführt.

Hier erhalten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit über eine Kartenanwendung, insbesondere Hinweise zu Gefahren- oder Problemstellen im Netzentwurf zu geben, aber auch neue oder alternative Verbindungswünsche im Netzentwurf vorzuschlagen sowie allgemein Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.

Die Meldungen werden im Rahmen der angewandten Methodik zur Erstellung eines kreisweiten Radverkehrsnetzes für den Alltagsradverkehr bewertet und entsprechend eingearbeitet, so dass ein Befahrungs- und Analysenetz entstehen kann.

Meldungen, die nicht der vorgestellten Methodik entsprechen, sind aber nicht umsonst gemacht worden!
Alle verbleibenden Meldungen werden an die zuständigen Verwaltungen der Kommunen oder des Kreises zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet.

Der Märkische Kreis hofft auf Ihre rege Beteiligung.

Phase 4 - Befahrung und Erfassung

Auf die Erstellung des Analysenetzes folgt die Befahrung

Aus dem Netzentwurf wird mittels der Meldungen der Bürger und Bürgerinnen ein Befahrungs- und Analysenetz entwickelt.

Dieses Netz wird durch ausgebildetes Personal mit Fahrrädern befahren.
Dabei wird d
ie Infrastruktur dezidiert über ein digitales Formular per Smartphone, inkl. einer fotografischen Dokumentation, erfasst.

Beispielsweise werden die Art der Radverkehrsführung, die Breite der Radverkehrsanlage, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kfz, die Beleuchtung u.v.m. erhoben.
Aber auch die Kreuzungen (so genannte Knotenpunkte) werden in dieser Erfassung mit einbezogen.

Wenn Sie einen groben Eindruck der Erfassungsmethodik gewinnen wollen, dann sehen Sie sich gerne das folgende Video an.

Phase 5 - Mängelanalyse

Auf die Bestandserfassung folgt die Mängelanalyse

Mängelanalyse

Die gewonnen Daten aus der Befahrung werden in ein GIS (GeoInformationsSystem) übernommen und die Infrastruktur auf ihre Mängel (vgl. Schema) hin untersucht.

Es wird bspw. geprüft, ob die Art der Radverkehrsführung bei den vorhandenen Verkehrsstärken als ausreichend erachtet werden kann und wenn ja, ob die Breiten der vorhandenen Radverkehrsanlagen den FGSV*-Regelwerken bzw. der StVO** entsprechen.

Handlungsbedarf (Grobplanung)

Aus der Mängelanalyse ergibt sich für die Strecken ein Handlungsbedarf, der in Form von Maßnahmentypen charakterisiert wird.
B
eispielsweise werden folgende Maßnahmentypen vergeben:

  • Neubau eines Radwegs

  • Ausbau eines Radwegs,

  • Einrichtung von Radfahr-/Schutzstreifen

  • Einrichtung einer Fahrradstraße u.a.

Diese eher grobe Planung wird mit den kommunalen Akteuren abgestimmt und deren Änderungswünsche nach Prüfung eingearbeitet.


Schema der Mängelanalyse

*ERA = Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (FGSV 2010)

Phase 6 - Maßnahmenentwicklung

Auf die Mängelanalyse folgt die Maßnahmenplanung

Die Daten der groben Maßnahmenplanung werden nach der Abstimmung mit Vertretern und Vertreterinnen der Kommunen, des Kreises und von StraßenNRW in ein Katastertool überführt. Hierüber erfolgt die eigentliche Maßnahmenentwicklung.

Diese Projektphase unterteilt sich dabei in mehrere Schritte:

  1. Vertiefte Planung

Nach der Abstimmung der Maßnahmentypen durch die beteiligten Akteure wird das Kataster weiterentwickelt.
Die Knotenpunkte werden nun in die Maßnahmenplanung mit einbezogen und alle Maßnahmen erhalten eine ausführliche Maßnahmenbegründung und -beschreibung, die mit Hinweisen der Akteure und örtlicher Besonderheiten weiter konkretisiert werden.

Zusätzlich wird dem jeweiligen Maßnahmenvorschlag nach Möglichkeit eine Musterlösung zugeordnet. Diese geben die idealtypische Ausgestaltung der Maßnahme wieder (in der Abbildung des Katasterblattes rechts) und helfen somit den Handelnden vor Ort bei der Umsetzung der Maßnahmenvorschläge.

  1. Priorisierung der Maßnahmen

Die abgestimmten Maßnahmenvorschläge werden in diesem Schritt mit einer Prioritätsstufe belegt.
Diese Stufen ergeben sich bspw. aus:

    • der Art der Maßnahme
      (z.B. ist ein Neubau besonders hoch zu priorisieren, da hiermit ein Lückenschluss erreicht wird),

    • der Netzhierarchie
      (das Netz 1. Ordnung ist verkehrlich bedeutender als das Netz 3. Ordnung)

    • der Unfallauffälligkeiten
      Unfallhäufungsstrecken oder -knotenpunkte werden nach der Anzahl der Unfälle bewertet.

    • möglichen anderen Faktoren, die im weiteren Verlauf des Projekts noch abgestimmt werden


  1. Kostenschätzung

Nach der Priorisierung der Maßnahmenvorschläge wird eine Kostenschätzung für jeden Maßnahmenvorschlag durchgeführt und ein Einschätzung für deren möglichen zeitlichen Umsetzungshorizont gegeben.

Im Ergebnis steht ein Maßnahmenkataster, dass den Kommunen und dem Kreis bei der Haushaltsplanung zum Thema Radverkehr eine solide Planungsgrundlage liefert.

Beispiel für ein Maßnahmenkataster

Ausblick

Mit Abgabe des Berichts und des Katasters zu dieser Konzeption beginnt die eigentliche Arbeit für die Akteure und Akteurinnen der Verwaltungen und der Politik.

Neben mehreren weitere Planungsphasen (Entwurfsplanung, Ausführungsplanung u.a.), die notwendig werden, sind auch mehrere Abstimmungsphasen der beteiligten Akteure (Anordnende Straßenverkehrsbehörden, Polizei, Akteure der Politik, Mitarbeitende der Kommunen, des Kreises oder von StraßenNRW u.a.) notwendig.

Ein Konzept, wie es für den Märkischen Kreis erarbeitet wird, ist dabei lediglich der erste Baustein für alle weiteren Schritte hin zur Entwicklung eines alltagstauglichen und kreisweit befahrbaren Radverkehrsnetzes.

Kontaktmöglichkeiten

[Email] | Planungsbüro VIA eG, Marspfortengasse 6, 50667 Köln
[
Email] | Märkischer Kreis